Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Vierer-Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im AUGUST 2017 setzt "Remstaler Schwäbisch" die Folge an Mundart-Dichtung mit eingeladenen Gästen fort. Außerdem beginnen wir mit Einführung und 3 Gedicht-Beiträgen eine neue (und leider Endlos-)Serie über "Verschwindende Wörter unserer Muttersprache". Und sonst - mal sehn!

Freitag, 21. Juli 2017

Herz-Schmerz (1) – zu oft verreimt …

"Vogel Selbsterkenntnis" im Tiroler Volkskunstmuseum (Innsbruck, ehem. Franziskanerkloster)
Foto & ©: Javier Carro, 26.08.2006; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
Eines der berühmtesten aber allegorisch rätselhaften Exponate (~ 17. Jh.) des Museums.
Der Vogel meint: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Kant)

 "Herz-Schmerz" (1) – zu oft verreimt …
       (… eine unter vielen Lyrik-Sünden!)

Was reimt sich eigentlich auf was?
Das regelt meistens ein Erlass,
gemäß dem reimt nur dies auf das!
Selbst wer schon war auf dem Parnass,
der reimt nicht einfach frisch vom Fass:
die Füße werden zu schnell nass!

Was ist ein abgedroschner Scherz?
Wenn einer trägt der Liebe "Schmerz"
als Weh der ganzen Welt im "Herz"!
Als wenn da einer trüg den Nerz
nicht hals-wärts, sondern unterm Sterz – 
den Dreiklang macht die zweite Terz! 

Was fängt sich sonst im Wörter-Sieb?
Was wär dir denn so gar nicht "lieb" – 
wenn stets sich jemand um dich "trieb"?
Den setzest du schon aus Prinzip
schach-matt mit gut gezieltem Hieb 
und hörtest nie mehr sein Gepiep! 

Dir wird allmählich jetzt bewusst,
was hier zu lesen du gemusst,
empfändest du als starken "Frust", 
der ziemlich dämpft der Sinne "Lust".
Ach sei ein bisschen mehr robust
und nimm zum Ausgleich was zur Brust! 

Ein Reim ist immer gut und schlicht, 
egal, wovon er zeugt und spricht. 
Wie sehr auf ihn du auch erpicht – 
du wahrst auf jeden Fall Gesicht,
machst du dir eins zur steten Pflicht:
vermeidest strikt den Pfui-Reim "nicht"! 

© elbwolf (WH, Fassung Juli/2017)
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Nachgehakt:
Der herausragende Sprachpfleger J. V. Stummer (1910-81, Linz) warnt in seinem Standardwerk "Vers – Reim – Strophe – Gedicht" vor dem Bilden schlechter Vollreime und zählt auch die total "abgenützten Reime" dazu (S. 73), insbesondre also ein Vorkommen solcher Reimwörter in Paarreimen – wie oben provokant bis nervtötend dargestellt.
Andererseits findet sich bei Stummer (Diskussion der Sonett-Struktur, S. 121) die Aussage, dass dort "die Reime nicht weiter als drei Zeilen voneinander entfernt sein" sollten. Das ist zwar auf die beiden Sonett-Terzette gemünzt, aber doch ganz offensichtlich ohne Abstriche verallgemeinerungsfähig! Hieraus ließe sich ein Notnagel für die Doch-Noch-Herz-Schmerz-Reimung ableiten: wenn die Reime nur weit genug voneinander entfernt stünden, würden sie kaum als aufeinander (direkt bzw. unmittelbar) Bezug nehmend wahrgenommen.
Machen wir doch, geneigter Leser, gemeinsam die Probe aufs Exempel:

Wenn einer trägt der Liebe Schmerz 
nicht nur herum wie einen Scherz,
als wenn er trüge einen Nerz
nicht halswärts, sondern unterm Sterz – 
der fühlt das Weh der Welt im Herz.
Den Dreiklang macht die zweite Terz.

Dienstag, 18. Juli 2017

Wagemut

Regenbogen bei Sopot in Polen im Juni 2015
Autor: Joergsam,
21.06.2015, 19:12:53; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0 Int.

 Wagemut

Wage ihn
den Tanz auf dem Regenbogen

wage es
in ein neues Schweben zu geraten;
über eine schmale Brücke zu gehen;
beflügelnde Träume zuzulassen.

Wage ihn
den Aufbruch
auf federnden Füßen
mit aufkeimender Hoffnung

wage es
auf neuen Wegen!

© lillii (L-R, 28.06.2017)

Samstag, 15. Juli 2017

Juli – ein Monatsbild

Gerard Horenbout u. a.: Breviarium Grimani, Monatsbild Juli (Buchmalerei/Pergament, ~1510)
Standort: Nationale Markusbibliothek, Venedig; Quelle: wikimedia.commons; gemeinfrei.
In der Landwirtschaft war der Juli der arbeitsreichste Monat: Heumahd, Höhepunkt der Schafschur,
Ernte des Wintergetreides unter Mithilfe der gesamten Dorfgemeinschaft – und die Kehrseite dazu:
die Abgabe des Getreidezehnten an den Grundherrn am Tag der hl. Margarete, dem 13. Juli.

Juli – ein Monatsbild

Ab Juli gibt uns die Natur zurück,
was wir zuvor an Mühen aufgewendet –
doch sieht es auch nicht nach Geschenken aus,
was sie uns da voll Großmut scheinbar spendet.

Die Schafe haben Wolle angesetzt:
die werden in der Schur sie nun verlieren.
Dann dreht die Spindel wieder sich ein Jahr;
aus Garn wird Stoff – und niemand wird erfrieren.

Getreide mäht gemeinschaftlich das Dorf
und überlässt nur Weniges den Nagern;
der Hunger plagt zu oft das Arbeitsvolk –
da muss man sorgfältig das Saatgut lagern.

Zudem gehörte vom Ertrag der Zehnt
dem Grundbesitzer mit den saubren Händen.
Das ist dem Staat auch heute ja nicht fremd:
nur lässt er's bei dem Zehnten nicht bewenden.
./.
Den Namen trägt der Monat schon seit Rom,
erinnert an den Staatsmann und Cäsaren
und scheint im Lauf der Zeit nicht abgenutzt –
was lässt sich sonst Jahrhunderte bewahren?

© elbwolf (WH, 10.07.2017)
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○ Link auf eine populäre Darstellung des Juli in mittelalterlicher Zeit.
○ Link auf eine Sammlung Lyrik- und Prosa-Titel über den Juli.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Mundart-Verse (4) – Westerzgebirgisch (Matthias Fritzsch als Gast)


Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart schreiben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es heute und hier zwar keine hochdeutsche Übertragung, aber doch eine ganze Reihe Worterklärungen.
Blick von der Joachimsthaler Straße auf Breitenbrunn im Erzgebirge; 660 m ü. NHN
Autor: Hejkal, Mai 2004; Quelle: Wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
 Matthias Fritzsch …
… begrüßt auf der Seite "Literatur im Erzgebirge" Leser und Autoren mit den Worten:
"Neies schaffen un des Alte bewahrn / is unner Aliegn un innigster Drang,
du mei arzgebirgische Haamit / in Mundart und Gesang."
Er selbst stellt uns neben zwei Mundartgedichten aus Paarreimen einen Liedtext vor, der zum Repertoire von Volksmusik-Gruppen gehört.
Wir übertragen die Verse nicht ins Hochdeutsche – erklären aber Dialektworte:
???  "allaa dorham" - "e mol e weng" – "ka fei" – "Haisle" – "Schänners"  ???
Jeweils neben den Originalen stehen rechts die Lösungen zu diesen Rätseln!


De Kur
oder de Fried un dor Kar

De Fried, die is zor Kur gefahrn, allaane nauf zor See.
Vierzehn Tog, e lange Zeit, dor Abschied tat fei weh!
Dor Kar, dar blieb allaa dorham, des is nu halt mol su,
de Zeit ging aber fix vorbei, de Fried, die war fei fruh!
Mit ihrn Gepacks do fuhr de Fried is Dingel wieder ro,
zun Bahhuf nauf, do stärzt dor Kar un hult se dort'n o.

Von weiten hot de Fried gewedelt aus'n Fanster raus,
dor Kar winket net zerück, er mahnt, 's sieht albern aus!
Dor Zug hielt a un mit de Koffer steigt se aus, de Fried
un läft in Richtung Ausgang hie, dort wu ihr Kar rümstieht.
Nu endlich hot sich aah dor Kar e mol e weng bewegt,
er schnappt de Koffer un hot Na, wie war's?" gefregt.

Ganz entsetzt sat glei de Fried: Nu des ka fei net sei!
Ich war zor Kur, bie endlich do, fällt dir nischt wetter ei?
Guck nüber, of'n Bahsteig drübn e Ma un seine Fraa,
die schmatzn do in aaner Tour; schie, denne zuzesah.
Worüm, frog iech, machst du's net su wie die zwee dort?"
Dor Kar: Ne, du kimmst aah eham un die drübn fährt fort!"
Die Kur oder
Frieda & Karl

an die See
sehr
allein |mal so
froh
Weg zurück
holt sie ... ab

gewunken
meint
hielt an
läuft
ein bisschen
gefragt

kann doch
weiter
ein Mann
küssen |zu-
       \zusehen
ja heim


Kumm fahr miet nauf ins Arzgebirg

De Woch die gieht ze End
un jeder schafft un rennt.
Is Wochenend kimmt ra;
was stell ich wieder a?
Su mancher hot sei Plog,
für mich gibts do ka Frog.
Ich find des halt mol schie,
naus Wannern ze gieh.
In Rucksack pack ich ei,
tu was ze Assen nei.
De Wannerschu fix na,
dos endlich lus gieh ka.
Ich hob e gruße Frad,
is Wannern agesat.
Ich find des halt mol schie,
naus Wannern ze gieh.

Refrain:
Kumm fahr miet nauf ins Arzgebirg, mir wolln dort wannern gieh.
Im Schriet un Triet am Faldwag lang, an Bachle wunner schie.
Kumm fahr miet nauf of Bargeshöhn, durch Täler weit zengst hie,
durch unner schienes Arzgebirg, kumm lasst uns wannern gieh.


Of'n Barg stieh

Wenn ich ubn of'n Barg stieh un ins Land nei saah,
is des, wos mich bedrückt, of aamol nichtig un klaa.

Su weit mor saah ka: Mei Arzgebirg, su wunnerschie,
mit Täler un Höhn, Falder un Wiesen im saftigen Grü.

De Stroßen, de Haisle im Tol wie Spielzeig su gruß
un de Barg ringsrüm, dor Blick lässt mich nimmer lus.

Su of'n Barg ze stieh, wos ka's noch Schänners gabn!
Aber mor stieht halt net immer of'n Barg in senn Labn.
Auf dem Berg
              \stehen
oben auf |schau
klar

man sehen kann
Felder

Häuser
los

Schönres geben
in seinem Leben

© Matthias Fritzsch
"Mit enn herzlichen "Glück auf!" aus'n westlichn Arzgebirge!"
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Unsere heutiger Gast, Matthias Fritzsch, wurde 1956 geboren, ist in Raschau aufgewachsen und lebt seit 1988 in Zwickau. Er begann 1992 in westerzgebirgischer Mundart gereimte lustige Gedichte, darunter singbare, und Kurzgeschichten zu schreiben. Er tritt damit bei zahlreichen Lesungen in Vereinen, Schulen und öffentlichen Veranstaltungen im gesamten Erzgebirge, im Vogtland und auch darüber hinaus auf. Er hat Veröffentlichungen in einer Reihe von Zeitungen, Zeitschriften, Heimatblättern und Kalendern. Matthias Fritzsch hat sechs Bücher herausgebracht und ein Dutzend Mundartlieder getextet und komponiert. Seit 2010 ist er Mitorganisator der Erzgebirgischen Mundarttage des "Erzgebirgsverein e.V." und gehört zur Erzgebirgsgruppe "De Rödelbachtaler" aus Kirchberg (s. Abb., rechts).
./.
"Erzgebirgisch (oder auch Aarzgebèèrgsch) ist ein deutscher Dialekt, der vor allem im mittleren Erzgebirge, aber auch im Oberharz in Niedersachsen, gesprochen wird. Er ist bisher nur wenig sprachwissenschaftlich erforscht. Aufgrund der hohen Mobilität der Bevölkerung und des damit verbundenen starken Kontakts zum Obersächsischen, der großen Abwanderungsrate und nicht zuletzt auch aufgrund seiner geringen Verständlichkeit gegenüber anderen Dialekten verringert sich die Sprecherzahl immer mehr.
Das Erzgebirgische wird heute in den Landkreisen Mittelsachsen (hier nur noch im Süden), Zwickau (im Südosten sowie in Lichtenstein) sowie hauptsächlich im Erzgebirgskreis gesprochen." (zitiert nach institut-sks; die kartografische Darstellung zeigt, dass im Erzgebirge die Naturräume und die mundartlichen Gebiete
nicht deckungsgleich sind!)

Sonntag, 9. Juli 2017

Sommerliche Vielfalt

Arakcheev, Boris Vladimirovitch (1926 – 2013; Weißrussland): Hochsommer im Dorf Mar'ino (2009)
Quelle: Oksana Arakcheeva für wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0 Int. (2009)
Sommerliche Vielfalt



Mein Sommer

Der Sommer weist mich in die Schranken:
Die Sonne wärmt mir die Gedanken –    
Mir ist nach Luft und Wasser tanken      
Und reden in den hellen Stunden.
Nie hab ich dafür Zeit gefunden.

Indessen koch ich Marmeladen              
Und stöhne unter Hitzegraden                
An meinem Ofen, statt zu baden;            
Red über Früchteaufbereitung                
Und plansch im Wasser aus der Leitung.



Sommerzeichen

Blüten -
In Überüppigkeit.

Farben -
Ungeahnte Variationen.

Gras -
Der Sonne geopfert.

Früchte -
Saftig und süß.

Hitze -
Flirrende Luft.

Wasser -
Erfrischende Kühle.

Sternschnuppenregen
Nimmt Wünsche mit

In traumtiefe
Bläue.
          Sommerdüfte

Nordwärts

ziehen die Wolken,

drohend,

lassen Regen zurück.

Stetig tropft es

vom Geländer.

Die Erde saugt ein

und atmet aus

in tiefen Zügen.

Alle Düfte des Sommers

parfümieren

die fallenden Wasser.





© immergruen (A.W., Juli 2017)

Donnerstag, 6. Juli 2017

Villon / im ehem. Greifenverlag (4) – In verschworener Runde

Diese Folge aus Einleitung und vier Gedichten ist einem ehem. Verlag gewidmet,
dem Greifenverlag zu Rudolstadt und seinen Buchkünstlern,
anhand des historischen Romans "Villon, den ganz Paris gekannt"
von Autorin Johanna Hoffmann; illustriert von der Grafikerin Erika Müller-Pöhl
Illustration: Erika Müller-Pöhl, 1973 im Greifenverlag; zu Buchseite 208
– z. Z. sind keine weiteren Angaben verfügbar –  *)

Villon / im ehem. Greifenverlag
(4) – In verschworener Runde
          (Canzone toscana)

Wer käme nicht auf jenen dieser Sprüche,
von Wein und Weib und schmetternden Gesängen,
die in verschworner Runde lautstark dröhnen?
Die heizt sich langsam auf zur Hexenküche,
ein jeder will den andren vorwärts drängen;
und ihre Reize stell'n zur Schau die Schönen.
Des Barden Worte tönen,
begegnen, gut versteckt in seinen Klängen,
dem Aufruf des Scholaren,
zum Schabernack die Kräfte jetzt zu paaren.

Gar schnell verließ man des Gesetzes Boden,
von Willkür war erfüllt das frisch Gewagte,
sie lag dem Tun von nun an stets zu Grunde.
Verarmte Adlige, zwar noch in Loden,
die auch – wie den Scholar – der Hunger plagte:
mit ihnen fand Villon sich jetzt im Bunde.
Sehr bald schlug ihre Stunde:
aus freien Männern wurden sie Verklagte,
und keiner kam zu retten –
die Staatsgewalt warf sie in Eisenketten.

Wolfgang H. (elbwolf, Juni 2016; durchgesehen Juli '17)

*) Disclaimer
Der Blogger dieser insg. 5-teiligen Folge hat große Anstrengungen unternommen, den evtl. Rechteinhaber für die reproduzierten Illustrationen ausfindig zu machen, jedoch ohne Ergebnis. Er gibt hiermit seiner Überzeugung Ausdruck, dass es der Künstlerin lieber sein würde, dieser bescheidenen Ehrung auch ungefragt zuzustimmen, bliebe doch sonst nur die ungenannte Präsenz auf Wühltischen von Trödelmärkten.
Auf begründete Forderung hin würden die Abbildungen natürlich gelöscht.

Dienstag, 4. Juli 2017

Villon / im ehem. Greifenverlag (3) – Das Bürgerweibchen

Diese Folge aus Einleitung und vier Gedichten ist einem ehem. Verlag gewidmet,
dem Greifenverlag zu Rudolstadt und seinen Buchkünstlern,
anhand des historischen Romans "Villon, den ganz Paris gekannt"
von Autorin Johanna Hoffmann; illustriert von der Grafikerin Erika Müller-Pöhl

Illustration: Erika Müller-Pöhl, 1973 im Greifenverlag; zu Buchseite 189
– z. Z. sind keine weiteren Angaben verfügbar –  *)

Villon / im ehem. Greifenverlag
(3) – Das Bürgerweibchen
          (Canzone toscana)

Ernüchtert ist Villon: Ein Haus zu bauen,
das jene Frau versieht, die er begehrt,
bleibt Wunschbild. Wie des Körpers Süchte stillen?

Das brächte manche von den Bürgersfrauen,
die sonst sich nach Erfüllung fast verzehrt.
Warum Begierden zähmen, wenn sie schrillen?
Wär eine ihm zu Willen,
er nähm' das Lager, das sie ihm beschert,
verließe es erst wieder,
wenn sie gesungen alle Liebeslieder.

Gisèle war eines jener Bürgerweibchen,
das François ein breites Bette bot,
dann zögerte, sich vor ihm zu entkleiden.
"So ziehe es doch endlich aus, Dein Leibchen!"
Er steht entblößt vor ihr – sie wird ganz rot:
"An meinem Anblick tat kein Mann sich weiden.
Ich will nicht länger neiden,
will's auch einmal erleben, sapperlot!"
Er pellt sie aus – in Ruhe;
sie legt noch alles schön in ihre Truhe …

Wolfgang H. (elbwolf, Juni 2016; durchgesehen Juni '17)

*) Disclaimer
Der Blogger dieser insg. 5-teiligen Folge hat große Anstrengungen unternommen, den evtl. Rechteinhaber für die reproduzierten Illustrationen ausfindig zu machen, jedoch ohne Ergebnis. Er gibt hiermit seiner Überzeugung Ausdruck, dass es der Künstlerin lieber sein würde, dieser bescheidenen Ehrung auch ungefragt zuzustimmen, bliebe doch sonst nur die ungenannte Präsenz auf Wühltischen von Trödelmärkten.
Auf begründete Forderung hin würden die Abbildungen natürlich gelöscht.